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Willst Du in die Firma kommen?

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Familie

Willst Du in die Firma kommen?

Stephanie Sedlmayer-Weßling, Diplom-Psychologin und Studienberaterin

Wie ich beinahe Geschäftsführerin in einem mittelständischen Zulieferunternehmen der Automobilindustrie wurde

Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als mein Vater mich zu einem Gespräch bat. Er
fragte mich, ob ich in unserem Familienunternehmen in der Geschäftsführung mitarbeiten wolle.
Ich war 27 Jahre alt, hatte gerade mein Studium der Diplom-Psychologie abgeschlossen – und
sollte mir überlegen, ob ich in dritter Generation Verantwortung übernehmen wollte.

Unser Familienunternehmen ist die Sedlmayer Metallbearbeitung GmbH in Triptis: ein
mittelständisches Unternehmen in Thüringen, gegründet von meinem Großvater Hans
Sedlmayer in München als Handwerksbetrieb, später von meinen Eltern Hans und Renate
Sedlmayer in Bruck in der Oberpfalz weiterentwickelt. Nach der Wende entstand der heutige
Hauptsitz in Thüringen. Heute führt mein Bruder Johann Sedlmayer das Unternehmen.

Ich bin die Älteste von vier Kindern einer konservativen bayerischen Familie. Bei uns zählt „der Bub“ traditionell noch viel. Umso mehr fühlte ich mich geehrt, dass mein Vater ausgerechnet
mich fragte. Ich war die erste Akademikerin der Familie. Meine Geschwister waren damals noch
in Schule, Ausbildung oder Studium.

Gleichzeitig kannte ich meine Stärken – und meine Grenzen. Nach einem abgebrochenen BWL-
Studium hatte ich in die Psychologie und Pädagogik gewechselt. Dieser Umweg hatte mir
gezeigt, worin ich wirklich gut bin.

HR war meine Welt. Menschen, Entwicklung, Talentförderung – das konnte ich.

Die Firma ist Teil meiner Identität

Das Unternehmen gehört zu meinem Leben, seit ich denken kann. Ich bin als Tochter eines
Ingenieurs und Unternehmers in Werkshallen groß geworden.

Bis heute liebe ich die Erinnerungen an den Geruch von Maschinenöl, Metallspäne auf dem
Boden, sauber sortierte Werkzeuge auf Arbeitstischen, Gitterboxen zwischen den Maschinen.
Mein Vater nahm mich oft mit auf seine Rundgänge durchs Unternehmen. Die Menschen dort
prägten meine Kindheit: Mitarbeitende aus Büro und Produktion, Meister, Helferinnen,
Werker:innen – Menschen aus allen Bildungswelten. Ich konnte immer mit allen.

Nichts machte mir in den Schulferien mehr Freude, als in der Produktion mitzuarbeiten: Teile in
Öl tauchen, verpacken, Lunker aussortieren, Grate entfernen. Später saß ich bei meiner Mutter
im Büro, kontrollierte Zahlungseingänge, schrieb Briefe, empfing Gäste, leitete Telefonate
weiter. Als Psychologiestudentin sammelte ich erste Erfahrungen in Personalauswahl,
Arbeitsplatzbeschreibungen und Mitarbeiterschulungen.

Ich liebte all das. Und trotzdem sagte ich Nein.

Warum ich das Angebot ablehnte

Ich traf meine Entscheidung nicht leichtfertig. Ich dachte gründlich nach. Nicht, weil ich mir die
Aufgabe grundsätzlich nicht zugetraut hätte. Nicht, weil ich die Branche nicht mochte. Im
Gegenteil.

Warum also mein Nein?

1. Der Standort
Ich wollte nicht zurück aufs Land. Ich bin ein Dorfkind – und wollte damals bewusst in die Stadt.
Ich suchte das urbane Leben, neue Perspektiven, Modernität.
Außerdem wollte ich nicht in einem Betrieb arbeiten, in dem Frauen fast ausschließlich in
Verwaltung oder Produktion tätig waren. Meine Mutter war zwar Chefin – aber weibliche
Führung war in dieser Welt noch immer Ausnahme, nicht Normalität.

2. Die Machtspiele der Branche
Ich wollte nicht in die Kämpfe mit den Einkaufsabteilungen großer Automobilkonzerne ziehen.
Ich kannte die Geschichten aus den Abendgesprächen meiner Eltern: Preisverhandlungen bis
an die Schmerzgrenze, millionenschwere Investitionen auf Druck der Auftraggeber, kurzfristig
entzogene Aufträge.

Diese Härte schreckte mich ab.

Eine Freundin unserer Familie, ehemalige bayerische Sozialministerin, sagte damals zu mir:
Macht macht nichts, Steffi. Geh immer vor in die erste Reihe.

Dieser Satz blieb mir lange im Kopf.

3. Die Frage: Bin ich gut genug?

Ich war ehrgeizig, kommunikativ, umsichtig und verantwortungsbewusst. Aber ich war nicht
rücksichtslos. Menschen erleben mich als freundlich und beruhigend. Ich begeistere mich leicht

– doch ich wollte verstehen, wie Unternehmensführung wirklich funktioniert, bevor ich sie
übernehme.

Damals hatte ich eine naive Vorstellung davon, was Führung bedeutet: Dass ich sofort allein
entscheiden und alles allein tragen müsste.

Heute weiß ich: Das war ein Irrtum.

Mein Vater ist nur 21 Jahre älter als ich. Wir hätten viele Jahre gemeinsam arbeiten können.
Doch mit 27 konnte ich diese Perspektive noch nicht sehen.

Was es gebraucht hätte, um Ja zu sagen

Rückblickend frage ich mich oft: Was hätte mir damals Mut gemacht?

  • Vielleicht eine ehrliche Standortbestimmung.
  • Vielleicht eine Mentorin.
  • Vielleicht ein Traineeprogramm oder Wanderjahre in anderen Unternehmen.
  • Vielleicht mehr Einblick in die Branche jenseits meiner familiären Rolle.

Vor allem aber hätte ich einen klaren Blick auf meine eigenen Talente gebraucht – und einen
Plan, wie ich fehlendes Know-how gezielt aufbauen kann.

Denn Mut entsteht selten aus Sicherheit. Mut entsteht aus Orientierung.

Warum ich diese Geschichte heute erzähle

Genau aus diesen Erfahrungen heraus arbeite ich heute mit jungen Menschen, die vor großen
Entscheidungen stehen. Gemeinsam mit Michael Wefers begleite ich Menschen in der
Quarterlife-Phase – in einer Lebensphase voller Fragen:

Was will ich wirklich?
Wie finde ich meinen Weg?
Wohin passe ich?
Und was, wenn ich mich falsch entscheide?

Viele junge Erwachsene stehen heute an ähnlichen Weggabelungen wie ich damals.

Lebenstraum: Orientierung für Deine Zukunft

In unserem Seminar „Lebenstraum“ arbeiten wir intensiv an genau diesen Fragen. Wir helfen
Dir – oder Deinem Kind – dabei, Klarheit zu gewinnen:

  •  über Talente und Potenziale
  • über berufliche Wege und Entscheidungenüber berufliche Wege und Entscheidungen
  • über persönliche Ziele und Zukunftsperspektiven

Wir verbinden Expertise aus Bildungsplanung, Recruiting, Young Professional Coaching, Sales
und Leadership.

Eine Woche Persönlichkeitsentwicklung, Orientierung und Zukunftsplanung.

Informiere Dich am 28.04. um 19.30 Uhr über das nächste Lebenstraum-Seminar.

Anmeldung hier: https://summerschool.wefersundcoll.de

P.S.

Meinen eigenen Lebenstraum habe ich mir erfüllt: Eine psychologische Praxis, spezialisiert auf
junge Erwachsene.

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