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Warum Gymnasiast:innen trotz guter Bildung oft orientierungslos sind – und wie ein neues Talentmanagement-Konzept für den Mittelstand helfen kann

good plan mai 2026
Familie

Warum Gymnasiast:innen trotz guter Bildung oft orientierungslos sind – und wie ein neues Talentmanagement-Konzept für den Mittelstand helfen kann

Stephanie Sedlmayer-Weßling, Diplom-Psychologin und Studienberaterin

Wir schicken Gymnasiast:innen ins Studium – ohne dass sie je einen echten Arbeitstag erlebt oder ernsthaft über Ausbildung als starken ersten Schritt ins Berufsleben nachgedacht haben.

Nach mehr als zwölf Jahren Studienberatung mit jungen Erwachsenen weiß ich: Deutschland hat ein strukturelles Orientierungsproblem. Viele junge Menschen sind schulisch leistungsfähig, aber beruflich erstaunlich unsicher.

Die Zahlen sprechen für sich: Laut dem Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW, 2024) verlässt etwa jede dritte Person die Universität ohne Abschluss.

Das Problem beginnt aus meiner Sicht viel früher. Nicht erst im Studium. Sondern bereits in der Oberstufe.

Gute Schüler:innen – aber wenig Berufswirklichkeit

Gymnasiast:innen lernen früh, Leistung zu bringen. Sie schreiben Klausuren, organisieren ihren Alltag und funktionieren in einem klaren Bildungssystem.

Was viele jedoch nicht lernen:

  • wie Arbeitsalltag tatsächlich aussieht
  • welche Anforderungen Berufe wirklich stellen
  • wie sich Verantwortung, Routinen oder Teamdynamiken anfühlen
  • ob ein Beruf oder Bildungsweg überhaupt zur eigenen Persönlichkeit passt

Die aktuelle Berufsorientierung bleibt häufig theoretisch und informationslastig.

Orientierung passiert oft so:

  • Gespräche mit Berufsorientierungslehrkräften
  • Vorträge eingeladener Gäste
  • Internetrecherche
  • Meinungen von Eltern oder Freund:innen
  • Messebesuche ohne klare Strategie

Am Ende sammeln viele Jugendliche Kugelschreiber statt echter Kontakte oder Praxiserfahrungen.

Was fehlt, ist eine echte Entscheidungsarchitektur für die Studien- und Berufswahl.

Berufsorientierung ist kein Informationsproblem

Beim Female Future Barcamp der Eckert Schulen am 20. April 2026 durfte ich genau zu diesem Thema eine Session gestalten:

„Plan statt Planlosigkeit – Wie sieht eine wirklich gute Ausbildungsorientierung für Gymnasiast:innen aus?“

In den Diskussionen mit engagierten Teilnehmerinnen wurde ein Punkt besonders deutlich:

Das Problem ist nicht mangelnde Information, sondern ist fehlende Erfahrung.

Viele junge Menschen treffen weitreichende Bildungsentscheidungen, ohne jemals erlebt zu haben, wie Arbeit wirklich funktioniert. Und genau hier setzt mein Konzept an.

Mein Konzept: Ferienprogramm + Talentmanagement für KMU

Ich habe ein Konzept entwickelt, das zwei zentrale Herausforderungen miteinander verbindet:

  1. Frühzeitige Berufsorientierung für Gymnasiast:innen als Blockveranstaltung in den Sommerferien
  2. Nachwuchs- und Talentmanagement für kleine und mittlere Unternehmen

Die Idee: Ein 2–3-wöchiges Ferienprogramm für Schüler:innen der Klassen 10–12

Kompakt organisiert in den Ferien. Lange vor dem Abiturstress. Ein gut planbares Ferienelement für berufstätige Eltern.

Nicht als klassisches Schülerpraktikum. Sondern als strukturiertes Praxis-, Reflexions- und Mentoringprogramm.

Ein Format, das sowohl jungen Menschen als auch berufstätigen Eltern echte Orientierung bietet.

Vor allem aber hätte ich einen klaren Blick auf meine eigenen Talente gebraucht – und einen
Plan, wie ich fehlendes Know-how gezielt aufbauen kann.

Denn Mut entsteht selten aus Sicherheit. Mut entsteht aus Orientierung.

Das Ziel: Bildungsentscheidungen mit mehr Realitätssinn

Das Programm verfolgt ein klares Ziel: Eine psychologisch fundierte, realitätsbasierte Bildungsentscheidung – in einer Lernphase ohne Druck, Prüfungsstress und Angst vor Fehlentscheidungen.

Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, Studium gegen Ausbildung auszuspielen.

Sondern darum, jungen Menschen mehr echte Erfahrungen und Berufsorientierung zu ermöglichen. “Mach doch mal ein Praktikum!” wird mit diesem Konzept vereinfacht.

Die vier zentralen Bausteine des Konzepts

1. Mehrpfad statt Einbahnstraße

Studium bleibt eine wichtige Option.Aber Ausbildung, duale Wege und alternative Bildungsmodelle werden sichtbar und erlebbar gemacht.

Viele Jugendliche kennen akademische Wege sehr gut – praktische Karrierewege dagegen kaum.

2. Echte Einblicke statt Hochglanz-Marketing

Junge Menschen erleben Arbeitsalltag realistisch. Nicht nur spannende Projekte, sondern auch Routinen, Verantwortung und weniger glamouröse Aufgaben. Denn Langeweile spüren muss sein. Berufsorientierung braucht Realität – nicht nur Imagebroschüren und gute Laune Events.

3. Reflexion statt Bauchgefühl

Praxis allein reicht nicht. Deshalb beinhaltet das Konzept strukturierte Reflexion, psychologische Einordnung und Entscheidungscoaching mit Expert:innen und HR-Mitarbeitenden. Die zentrale Frage lautet nicht:

„Was klingt gut?“ Sondern: „Was passt wirklich zu mir?“

4. Mentoring durch Menschen, die nah dran sind

Jugendliche lernen besonders glaubwürdig von Menschen, die erst wenige Schritte weiter sind.

Deshalb spielen folgende Gruppen im Unternehmen eine wichtige Rolle:

  • Auszubildende
  • dual Studierende
  • Berufseinsteiger:innen
  • junge Fachkräfte

Sie machen Berufswege greifbar und emotional nachvollziehbar.

Warum das auch für KMU spannend ist

Für Unternehmen ist dieses Konzept weit mehr als ein Ferienprogramm.

Es ist strategisches Talentmanagement. KMU kämpfen zunehmend mit:

  • Fachkräftemangel
  • unpassenden Bewerbungen
  • Ausbildungsabbrüchen
  • fehlender Sichtbarkeit bei leistungsstarken Jugendlichen

Viele Gymnasiast:innen kennen große Konzerne – aber nicht die Chancen mittelständischer und regionaler Unternehmen.

Das Programm schafft frühzeitig Kontaktpunkte zwischen Unternehmen und potenziellen Nachwuchskräften. Und zwar lange bevor Bewerbungen geschrieben werden.

Warum Eltern stärker einbezogen werden müssen

Ein weiterer wichtiger Punkt aus meiner Arbeit: Eltern spielen bei Bildungsentscheidungen eine enorm große Rolle. Sie sind häufig die entscheidenden Möglichmacher.

Gleichzeitig erleben viele Familien große Unsicherheit:

  • Angst vor Fehlentscheidungen
  • Sorgen um Studienabbrüche
  • Orientierungslosigkeit trotz guter Leistungen
  • psychische Belastung durch Zukunftsdruck

Deshalb sollte moderne Berufsorientierung nicht nur Jugendliche ansprechen – sondern auch Eltern.

Die Folgen des Status quo sehen wir längst

Wenn Orientierung fehlt, entstehen häufig:

  • Studienabbrüche
  • Ausbildungsabbrüche
  • psychische Belastungen
  • Motivationsprobleme
  • unnötige Umwege
  • familiäre Konflikte

Viele junge Erwachsene wirken nach außen leistungsfähig – fühlen sich innerlich aber vollkommen orientierungslos.

Mein Fazit

Wir müssen aufhören, Berufsorientierung ausschließlich als Informationsvermittlung zu verstehen. Junge Menschen brauchen Erfahrungsräume.

Sie müssen Arbeit erleben, reflektieren und mit ihrer Persönlichkeit abgleichen können.

Genau darin sehe ich eine große Chance:

  1. Für Schulen.
  2. Für Familien.
  3. Für KMU, um die jungen Talente frühzeitig authentisch kennenzulernen

Ich nehme aus dem Female Future Barcamp viel Rückenwind mit – und den klaren Wunsch, dieses Konzept als Pilotprojekt umzusetzen.

Interesse an einem Pilotprojekt oder einer Kooperation?

Ich begleite seit vielen Jahren mittelständische Unternehmen im Talentmanagement und  junge Erwachsene in ihrer Studien- und Berufsorientierun. Ich arbeite gleichzeitig an der Schnittstelle von Psychologie, Talentmanagement und Potenzialdiagnostik. Genau deshalb interessieren mich die Fragen:

  1. „Welcher Weg passt zu diesem jungen Menschen?“
  2. „Wie können Unternehmen frühzeitig passende Talente erkennen, begeistern und langfristig binden?“
  3. Welche Unternehmen in meiner Region kann ich endlich für gute Gymnasiast:innen-Orientierung jenseits der großen Player empfehlen?

Mit meinem Konzept verbinde ich moderne Berufsorientierung mit strategischem Talentmanagement für KMU.

Das Ziel: Frühzeitige Praxiserfahrung für Jugendliche schaffen

Das Ziel wird langsam am Horizont sichtbar. Frühzeitige Praxiserfahrung für Jugendliche schaffen und gleichzeitig Unternehmen dabei unterstützen, motivierte Nachwuchskräfte sichtbar zu erreichen, bevor Orientierungslosigkeit, Fehlentscheidungen oder Abbrüche entstehen.

 Sie möchten:

  • das Konzept als Unternehmen pilotieren?
  • junge Talente früher kennenlernen?
  • Ihre Ausbildungsberufe authentischer sichtbar machen?
  • Eltern und leistungsstarke Gymnasiast:innen besser erreichen?
  • Ausbildungsabbrüche reduzieren und Passung erhöhen?

Dann freue ich mich über einen Austausch.

👋 Stephanie Sedlmayer-Weßling
 Diplom-Psychologin | GOOD PLAN STUDIO®
 Studien- & Berufsorientierung | Talentmanagement | Potenzialdiagnostik

📩 Kontakt & Erstgespräch: post@goodplanstudio.de