Wenn das Studium Ihres Sohnes sich wie ein Papierstau im Drucker anfühlt– ein Gesprächsleitfaden für Eltern
Wenn das Studium Ihres Sohnes sich wie ein Papierstau im Drucker anfühlt– ein Gesprächsleitfaden für Eltern
Stephanie Sedlmayer-Weßling, Diplom-Psychologin und Studienberaterin
Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Sohn oder Ihre Tochter im Studium feststeckt? Wie Papierstau im Drucker. Sie wissen nicht, ob Sie etwas sagen sollen? Ich rate Ihnen: Sie sollten das Thema zu Ihrer beider Wohl ansprechen.
Viele Eltern schweigen aus Sorge, zusätzlichen Druck auszuüben oder übergriffig zu sein. Dabei brauchen junge Erwachsene in Krisenzeiten nicht nur Freiheit, sondern vor allem Orientierung. Gerade dann kann ein ruhiges, wertschätzendes Gespräch helfen, neue Perspektiven zu entwickeln. Gerade in diesen Krisenphasen warten junge Erwachsene oft darauf, “dass jemand etwas sagt”
Der Managementforscher Robert I. Sutton (2009) beschreibt vier Prinzipien, die Menschen in Krisengesprächen Sicherheit geben. Sie lassen sich hervorragend auf Gespräche zwischen Eltern und ihren studierenden Kindern übertragen.
Die vier Gesprächsprinzipien lauten Vorhersehbarkeit, Verständnis, Kontrolle und Mitgefühl. und stützen sich auf psychologische Grundbedürfnisse für Führung in Krisenzeiten.
1. Vorhersehbarkeit schaffen
Sprechen Sie offen Ihre Ziele aus, die Ihnen als Eltern für die Ausbildung Ihres Sohnes oder Ihrer Tochter wichtig sind. Klare und transparente Aussagen schaffen Sicherheit und vermeiden Missverständnisse.
Zum Beispiel:
„Mir ist wichtig, dass Du eine Ausbildung findest, die zu Dir passt und die Du erfolgreich abschließen kannst.“
Oder:
„Das ist kein Vorwurf. Ich unterstütze Dein Studium gerne. Gleichzeitig ist unser Familienbudget begrenzt und ich möchte unsere finanzielle Planung gut im Blick behalten. Ich hoffe, Du verstehst das.“
2. Verständnis erklären
Erklären Sie, warum Sie das Gespräch suchen und Ihren Sohn bzw. Ihre Tochter besser verstehen möchten. Nicht nur Kontrolle, sondern Fürsorge ist vermutlich Ihr Beweggrund sein.
Zum Beispiel:
Ich spreche das an, weil Du mir wichtig bist. Es geht mir nicht um Noten, sondern darum, dass es Dir langfristig gut geht und Du das erreichst, was Du Dir vorgenommen hast. Ich bin gerade unsicher und bitte Dich, mich abzuholen.“
3. Kontrolle ermöglichen
Lenken Sie den Blick auf das, was Ihr Kind selbst beeinflussen kann. Unsicherheit wird oft kleiner, wenn aus einem großen Problem ein konkreter nächster Schritt wird.
Zum Beispiel:
„Du musst heute keine endgültige Entscheidung treffen. Lass uns gemeinsam überlegen, welcher nächste Schritt sinnvoll wäre. Wobei kann ich Dich unterstützen? Bis wann möchtest Du Dir überlegen, wie Du es angehen willst und wir sprechen dann nochmal?“
Mögliche nächste Schritte können danach sein:
● eine unabhängige Studienberatung, die hilft, Ziele zu klären oder Studienzweifel zu reflektieren
● ein Gespräch mit Professorinnen oder Professoren, um Studienschwerpunkte festzulegen
● Gespräche mit Berufstätigen aus dem Umfeld der Familie für mehr Insights
● ein Praktikum zum Testen
● Nachhilfe oder Lerncoaching für bessere Performance
● ein Career Coaching für Ziele nach dem Abschluss
● die Recherche passender Studienalternativen
4. Mitgefühl zeigen
Studienzweifel sind häufig mit Scham, Versagensängsten oder Zukunftssorgen verbunden. Zeigen Sie Verständnis für diese Belastung. Vielleicht waren Sie als junger Mensch selbst in dieser Situation. Zeigen Sie Empathie, ohne dramatisch zu werden oder zu stark zu entlasten
Zum Beispiel:
„Ich sehe, dass Dich die Situation belastet. Mir ging es in meinem Studium auch schon so. Du musst das nicht allein schaffen. Wir stehen an Deiner Seite. Du bist uns wichtig. Wie können wir Dir helfen?“
Bereiten Sie das Gespräch gut vor
Der richtige Ort
Verabreden Sie sich bewusst zu einem Gespräch, damit beide Zeit haben und Raum für Dialog und Momentum entsteht. Wählen Sie einen Rahmen, in dem Sie beide möglichst entspannt sind.
Geeignet sind beispielsweise:
● das Lieblingscafé oder Lieblingsrestaurant
● ein Spaziergang
● eine gemeinsame Autofahrt
● ein gemeinsames Essen ohne Zeitdruck zuhause
Vermeiden Sie dagegen:
● Familienfeiern
● Tür-und-Angel-Gespräche
● Diskussionen unmittelbar nach einer schlechten Prüfung oder einem Misserfolg
Ein guter Gesprächseinstieg
Gehen Sie nicht als Ermittlerin oder Ermittler und auch nicht als Problemlöser in das Gespräch.
Gehen Sie als wohlwollender, erfahrener Erwachsener hinein. Nehmen Sie Ihre Rolle als Vater oder Mutter bewusst ein. Sie könnten beispielsweise sagen:
„Danke, dass wir miteinander sprechen können. Ich möchte Dich verstehen und nicht überreden.“
„Danke, dass Du Dir Zeit für dieses Gespräch nimmst. Ich schätze es sehr, denn ich möchte Dir zeigen, welche Gedanken ich mir mache, ohne Dich unter Druck zu setzen.“
„Schön, dass wir über Dein Studium sprechen. Du sollst Deinen eigenen Weg finden. Ich weiss, dass Du es allein machen willst und das schaffen wirst. Aber ich bin da, wenn Du es brauchst. Ich hab’ Dich lieb.“
Was Ihr “Kind” jetzt am meisten braucht
In schwierigen Studienphasen braucht Ihr Sohn oder Ihre Tochter weder einen Kontrolleur noch Belehrungen, sondern einen sicheren Hafen, der gut anzulaufen ist. Einen Menschen, der zuhört, Orientierung gibt, Vertrauen schenkt und auch schwierige Gefühle aushält. Genau das ist häufig die wirksamste Form elterlicher Führung. Danach kann Ihr Sohn oder Ihre Tochter auch wieder leichter und selbständiger in See stechen.
Sie möchten Unterstützung?
Wenn Sie unsicher sind, wie Sie das Gespräch beginnen oder Ihr Kind bereits ernsthafte Studienzweifel entwickelt hat, laden Sie kostenfrei das Paper in der Download Sektion herunter.
„Jetzt kostenlos downloaden: Gesprächsleitfaden (PDF)“
Sie möchten konkret die Studienzweifel angehen? Ich begleite ich Sie und Ihre Tochter oder Ihren Sohn gerne. In einem kostenfreien Erstgespräch (20 Minuten) klären wir gemeinsam, welche Unterstützung jetzt sinnvoll ist. Termin vereinbaren:
https://calendly.com/goodplan/good-plan-erstgesprach
Ich freue mich darauf, Sie kennenzulernen.
👋 Stephanie Sedlmayer-Weßling, Diplom-Psychologin | GOOD PLAN STUDIO®
Studien- & Berufsorientierung | Talentmanagement | Potenzialdiagnostik
📩 Kontakt & Erstgespräch: post@goodplanstudio.de
Literaturquellen: Robert I. Sutton: How to be a good Boss in a Bad Economy. Harvard Business
Manager. 2009; Daniel Mc Ginn: „Die Leute sollen sich in Luft auflösen.“ Kommunikation Strategien.
S. 56 -59. Harvard Business Manager (Deutsche Ausgabe). April 2026
Suche
Beliebte Beiträge
- Wenn das Studium Ihres Sohnes sich wie ein Papierstau im Drucker anfühlt– ein Gesprächsleitfaden für Eltern
- Warum Gymnasiast:innen trotz guter Bildung oft orientierungslos sind – und wie ein neues Talentmanagement-Konzept für den Mittelstand helfen kann
- Willst Du in die Firma kommen?
- Dein Kind. Sein Traum. Seine Unsicherheit.
- Internat – Entwicklungschance oder Trennungstrauma?